Wolfgang Kubicki im Interview: „Freiheit muss immer wieder neu erkämpft werden“
Das Buch „Aufwind im freien Fall“ von Wolfgang Kubicki ist nun als Taschenbuch im Impian Verlag erschienen. Darin analysiert der FDP-Politiker die Lage des Liberalismus in Deutschland – streitbar, pointiert und mit klaren Positionen.
Im Gespräch mit dem Impian Verlag spricht Kubicki über die Sehnsucht nach politischer Heimat, über Meinungsfreiheit und darüber, warum Freiheit immer wieder neu verteidigt werden muss.
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Herr Kubicki, Ihr Buch "Aufwind im freien Fall" ist nun als Taschenbuch erschienen. Hat sich Ihr Blick auf die darin formulierten Thesen seit der Erstveröffentlichung verändert?
Nein, die darin enthaltenen Analysen haben sich bestätigt. Ich habe ja auch ausgeführt, dass der Wiederaufstieg des politischen Liberalismus kein Selbstgänger wird. Die identifizierten Themen bleiben zentral: Migration, Meinungsfreiheit und ein Leben in wirtschaftlicher und persönlicher Selbstbestimmung.
Der Titel enthält bereits einen inneren Widerspruch. Wo erleben Sie derzeit persönlich oder politisch diesen "freien Fall"? Und wo sehen Sie zugleich Aufwind?
Der freie Fall begann symbolisch mit der Bundestagswahl. In Wahrheit aber schon ca. ein Jahr vorher, als wir das erste mal bei drei Prozent in einer Umfrage lagen. In diesem Bereich wird es existenziell.
Übrigens auch eine These aus dem Buch, die sich bewahrheitet hat: Wenn mancher glaubt, wir seien schon über dem Berg, geht es erst so richtig los mit dem „freien Fall“.
Aufwind sehe ich in dem unverändert großen Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung. Die Deutschen sind nicht so obrigkeitshörig und staatsgläubig wie ihr Ruf. Zumindest nicht diejenigen, die zu meinen Veranstaltungen kommen. Und diese Menschen können der Aufwind für die Freiheit werden. Wenn wir sie wieder überzeugen.
Viele Leser empfinden die politische Lage als unübersichtlich und widersprüchlich. Welche Rolle kann ein politisches Buch in einer Zeit schneller Schlagzeilen und permanenter Debatten überhaupt noch spielen?
Es gibt eine große Sehnsucht nach politischer Heimat. Das muss nicht zwangsläufig eine Partei sein. Das kann auch eine Ideenwelt sein, die man mit anderen teilt. Das kann man in einem politischen Buch finden. Genauso wie die Herausforderung, sich mit anderen Ideen zu beschäftigen. Ein gutes politisches Buch ist nichts für feige Leser, sondern für die mutigen und streitbaren.
Gab es Passagen im Buch, die Ihnen besonders wichtig waren, auch wenn Sie damit bewusst anecken?
Mir ist schon klar, dass ich mit meiner Haltung zur Meinungsfreiheit für viele grüne und linke Kolleginnen und Kollegen eine besondere Zumutung darstelle. Sie unterschätzen alle, welcher gewaltige Schaden an der Demokratie derzeit angerichtet wird. Ich habe in dem Buch geschrieben: Es ist nochmal schlimmer geworden, als zu Zeiten meines Buches „Meinungsunfreiheit“. Jetzt, ein Jahr nach Erscheinen von „Aufwind im freien Fall“, muss ich sagen, dass sich das Ausmaß an Repression wegen Meinungsäußerungen nochmal verstärkt hat.
Wenn Sie heute ein zusätzliches Kapitel ergänzen würden: Welches Thema müsste zwingend hinein?
Was Friedrich Merz an Vertrauensschaden an der liberalen Demokratie mit seinem Wortbruch angerichtet hat, verdient wirklich nochmal eine eigene Betrachtung. Auch wenn Friedrich Merz natürlich kein Kapitel in einem Buch zur Zukunft des Liberalismus verdient.
Welche Bedeutung hat es für ein politisches Buch, in ein klar positioniertes und strukturiert aufgebautes Verlagsprogramm eingebettet zu sein?
Wenn ich darauf eine Antwort hätte, wäre ich Verleger geworden. Aber im Ernst: Ich freue mich, dass sich Profis um mein Werk kümmern.
Was wünschen Sie sich, dass ein Leser nach der Lektüre mitnimmt?
Dass es wichtig ist, dass Freiheit politisch erkämpft und verteidigt wird. Es ist sogar das wichtigste vor allem anderen.
Herr Kubicki, vielen Dank für Ihre Antworten.
Sie planen ein eigenes Buchprojekt?
Viele Bücher beginnen mit einer Idee, die man aufschreiben und mit anderen teilen möchte. Wenn Sie selbst an einem Buch arbeiten, können Sie Ihr Manuskript beim Impian Verlag gerne vorstellen.
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