Gedanken zu sozialen Medien – für Eltern

Gedanken zu sozialen Medien – für Eltern

Soziale Medien erleichtert unser Leben ungemein. Sie lassen uns effizienter arbeiten, uns besser organisieren und immer „up to date“ bleiben. Keine Frage – soziale Medien sind eine Bereicherung. Doch wie es bei so vielen Sachen der Fall ist, ist es auch hierbei wichtig, das richtige Maß zu finden.

Dabei ist es allzu einfach, die negativen Aspekte, die diese neuen Technologien mit sich bringen, zu übersehen. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, welche Tricks die Tech-Firmen nutzen, um uns zu aktiveren Nutzern zu machen und welche Auswirkungen dies auf unsere Psyche hat. Insbesondere für Kinder ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit sozialen Medien wichtig, da sie sich schnell unterschwellig einen falschen Umgang mit diesen angewöhnen.

Social Media Netzwerke benutzen psychologische Tricks, um uns bei der Stange zu halten. Das ist im besten Interesse dieser Netzwerke, denn ohne eine hohe Beteiligung aller angemeldeten Nutzer können sie nicht wachsen. Man muss sich bewusst machen, dass soziale Netzwerke profitgetriebene Firmen sind, die sich in einem hart umkämpften Markt behaupten müssen und den hohen Ansprüchen ihrer Investoren genügen müssen. Das Wohlergehen der Nutzer steht nie ganz oben auf der Prioritätenliste dieser Firmen. Vier der eingesetzten Tricks (es gibt sicherlich noch mehr) werden nachfolgend beschrieben.

Unendliches Scrollen

Je mehr Fotos, Posts, Videos und dergleichen wir verschlingen, desto mehr steigt unser Verlangen danach. Infinite Scrolling macht sich genau das zu Eigen. Statt die eigene Anwendung zu paginieren, also auf mehrere Seiten aufzuteilen, werden automatisch weitere Ergebnisse angezeigt, sobald man herunterscrollt. Jeder Nutzer der bekanntesten Social Media Anwendungen wird das kennen. Um uns vom Pausieren oder Verlassen der Anwendung abzuhalten, wird der News-Feed immer wieder neu befüllt und endet scheinbar nie.

Soziale Anerkennung

Das Bedürfnis, dazuzugehören und von unseren Bekannten Anerkennung zur erhalten, ist uns allen angeboren. Momentan scheinen aber die Firmen hinter den sozialen Medien dieses allzu menschliche Bedürfnis zu kontrollieren. Sie erzeugen durch ihre Anwendungen ein Fegefeuer der Eitelkeiten – viele Nutzer definieren sich über die Anzahl Likes, Shares und Comments, die sie für ihre Beiträge erhalten. Die Unsicherheit – was denken die Anderen über mich? – steigt an. Parallel dazu steigt auch die emotionale Abhängigkeit zu den Anwendungen an.

 

Das Suchtpotential von Spielautomaten

Dass Spielautomaten süchtig machen, ist weitläufig bekannt. Entwickler von sozialen Anwendungen machen sich genau das zu Eigen. Wenn wir unser Smartphone zücken, dann spielen wir um zu sehen, welche neuen Benachrichtigungen wir erhalten haben. Wenn wir bei Instagram oder Facebook herunterscrollen, dann spielen wir um zu sehen, welcher Beitrag als nächstes kommt. Es wird eine konstante Erwartungshaltung aufgebaut. Der durchschnittliche Smartphone-Nutzer kontrolliert sein Gerät täglich 53-mal (Studie der Universität Bonn). Machen wir das wirklich jedes Mal bewusst und begründet?

Die Angst, etwas zu verpassen

Die Erwartungshaltung, die durch soziale Medien aufgebaut wird, führt zu Bedenken, man könne etwas verpassen. Im Englischen wird dieses Phänomen FOMO (Fear of missing out) genannt. „Was ist, wenn ich das Event verpasse, zu dem meine Bekannten gehen? Was, wenn ich ein wichtiges Update eines meiner Social Media ‚Freunde‘ verpasse?“ Dass wir dieser konstanten Erwartungshaltung und oft auch Angst ausgesetzt sind, merken wir vielfach nicht. Es ist erstaunlich, wie schnell wir diese Angst verlieren, sobald wir uns für einige Zeit von sozialen Medien abmelden. Was wir nicht sehen, das können wir eben auch nicht vermissen.

 

Soziale Medien sind keineswegs pauschal zu verteufeln. Schließlich erleichtern sie unser Leben in vielen Bereichen. Dennoch ist es wichtig, verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen und den eigenen Konsum auch einmal kritisch zu hinterfragen. Da neue Technologien auch immer den Reiz des Neuen auf uns ausüben, geraten mögliche Kritikpunkte allzu schnell in den Hintergrund. Folgende Fragen müssen wir uns stellen:

  • Wollen wir unsere Kinder ohne Aufklärung über die eingesetzten psychologischen Tricks, die ein hohes Suchtpotential erzeugen, den sozialen Medien aussetzen? Würden wir unsere Kinder auch in die Automatenspielhalle schicken, dazu noch ohne sie über die Risiken aufzuklären?
  • Wollen wir unsere Kinder diesem Fegefeuer der Eitelkeiten aussetzen, das soziale Medien fördern?

Wenn wir in der Zukunft an die heutige Zeit zurückdenken, dann werden uns einige Parallelen zur Vergangenheit auffallen. Bei noch nicht hinreichend erforschten Produkten nutzen Firmen oftmals alle erdenklichen Tricks und denken sich Geschichten aus, um ihren Profit zu maximieren. Man sollte es ihnen nicht verübeln, doch sollten sich auch die Wissenschaft und die Politik engagieren, um ein Gegengewicht zu bilden. Früher wurde schließlich auch gesagt, rauchen mache dünn, gesund und glücklich. Gar Heroin wurde Anfang des letzten Jahrhunderts von den profitierenden Firmen noch als Wundermittel angepriesen. Es wurde als „das sicherste aller Hustenmittel“ bezeichnet. Wir sollten aus der Geschichte lernen – das einzige Wundermittel ist es, eine gesunde Portion Skepsis mitzubringen und Neuheiten wie soziale Medien und Smartphones kritisch zu hinterfragen. Der Psychologe Herr Manfred Spitzer empfiehlt die Nutzung von Smartphones erst ab 18 Jahren. Dafür gibt es treffende Gründe.

Und um mit einem treffenden Zitat abzuschließen:

„Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als davon zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind.“ - Mark Twain

Geben Sie Ihren Kindern doch mal wieder ein Buch zu Lesen.

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