„Ich bin nicht arm, ich hab’ nur kein Geld“: Interview mit Autorin Corinna Kreutinger
Was bedeutet eigentlich „arm sein“ in einer Gesellschaft, die von Schlagzeilen, sozialen Medien und öffentlicher Wahrnehmung geprägt ist? Und warum richten sich Mitgefühl und Aufmerksamkeit so oft auf prominente Schicksale, während die leisen Geschichten abseits der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden? Genau diesen Fragen widmet sich Corinna Kreutinger in ihrem Buch Ich bin nicht arm, ich hab’ nur kein Geld – und stellt dabei scheinbar Selbstverständliches konsequent infrage.
Im Zentrum stehen Menschen, deren Leben selten im Rampenlicht steht: eine Reinigungskraft, ein Obdachloser, Persönlichkeiten mit Brüchen und Biografien jenseits medialer Inszenierung. Kreutinger erzählt von Würde, Resilienz und stillem Durchhalten – und setzt diese Erfahrungen in Kontrast zur Welt der Prominenten und ihrer öffentlichen Darstellung. Im Interview spricht sie darüber, was sie zu diesem Buch bewegt hat, welche Begegnungen es geprägt haben und warum es ihr vor allem um eines geht: den Blick auf den Menschen hinter der Geschichte.
Wann haben Sie gemerkt: Dieses Buch muss geschrieben werden? Und gab es einen konkreten Auslöser?
Meine Begegnungen mit Dieter, dem in meinem Buch ein Kapitel gewidmet ist, haben mich dazu inspiriert, mit dieser Thematik an die Öffentlichkeit zu gehen. In einem unserer Gespräche merkte er an, seine persönlichen Erlebnisse und vor allem die Schicksalsschläge wären fast ein Buch wert. Leider sähe er sich selbst dazu aber nicht in der Lage. So wuchs nach und nach bei mir der Wunsch, genau dieses Buch zu schreiben.
Welche Passage im Buch bedeutet Ihnen persönlich am meisten?
Mich haben alle Menschen, über die ich berichte, berührt. Aber tatsächlich wäre dieses Buch ohne den Funken, den Dieter letztlich entzündet hat, wahrscheinlich nicht entstanden. Sogar der Titel ist ein Zitat von ihm. Deshalb ist für mich die Passage, in der er die Hauptrolle innehat, von ganz besonderer Bedeutung. Ich bin ihm dankbar und freue mich, dass ich ihm das noch mitteilen konnte. Die Veröffentlichung des Buches hat er leider nicht mehr erlebt.
Für wen haben Sie dieses Buch wirklich geschrieben?
Meine Intention war und ist es, abseits der Hektik des Alltags und der Fülle von Berichten in den Medien über Personen im Rampenlicht den Blick auf das Durchhaltevermögen Unbekannter zu lenken, die ohne zahlendes Publikum ihr Leben meistern und dabei einige Hürden überspringen müssen. Für all diese Menschen ist dieses Buch gedacht.
Aber es richtet sich im Grunde an jede Person, die offen dafür ist, sich Gedanken über ihre Mitmenschen zu machen, auch wenn diese sie nicht am Kiosk von der ersten Seite einer Illustrierten anlächeln.
Welches konkrete Problem löst Ihr Buch?
Leider kann ein solches Buch keine Probleme lösen. Wenn ich damit wenigstens meinen Teil dazu beitragen kann, das Bewusstsein die Thematik ein wenig zu stärken, wäre das schon viel wert.
Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Büchern zum Thema?
Das ist schwer zu sagen, da ich nicht alles gelesen habe, was dazu bereits geschrieben wurde. Möglicherweise macht die deutliche Gegenüberstellung von Prominenten und Unbekannten einen Unterschied. Letztlich denke ich, dass dies am besten die Leser des Buches beantworten sollten.
Was war Ihnen bei der Wahl eines Verlages besonders wichtig?
Da es sich um mein erstes Buch handelt, war mir wichtig, dass mir alle Abläufe abgenommen wurden, bis auf das Schreiben selbst natürlich.
Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit dem Impian Verlag positiv überrascht?
Der zeitliche Ablauf war eine positive Überraschung. Der war mir auch wichtig, denn manches in meinem Buch bezieht sich auf aktuelle Berichte in Medien. Auch dass jederzeit ein Ansprechpartner zu erreichen ist, gefällt mir sehr.
Was würden Sie anderen Autoren raten, die überlegen zu veröffentlichen?
Sich an Profis zu wenden, macht meiner Meinung nach auf jeden Fall Sinn. Entscheiden muss es aber jeder für sich. Ich hätte es ohne professionelle Hilfe jedenfalls ganz sicher nicht umsetzen können.
Eine Aussage aus Ihrem Buch, die jeder Leser mitnehmen sollte?
Ganz eindeutig: Es ist der Titel. Ich bin nicht arm, ich hab’ nur kein Geld.
Auch wer eben doch durchaus Geld hat, kann über diese Aussage reflektieren. Sogar ein Millionär kann trotz finanziellen Reichtums in anderer Form arm sein. Selbst Onkel Dagobert mit seinem Sprung in den verlockend glitzernden Geldspeicher wirkte doch hinsichtlich seines Zufriedenheits-Levels immer ein wenig arm, oder?
Herzlichen Dank für das Interview, Frau Kreutinger!
Corinna Kreutingers Buch Ich bin nicht arm, ich hab’ nur kein Geld ist im Buchhandel sowie online erhältlich.
